Die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen
Die 17 Sustainable Development Goals (SDG; deutsch: Ziele für nachhaltige Entwicklung) bilden den Kern der UN-Resolution „Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung„, kurz Agenda 2030. Sie wurden im Rahmen des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung am 25.-27. September 2015 durch 193 Staaten in New York, USA, verabschiedet und zielen darauf ab, globale Herausforderungen wie Armut, Hunger, Klimawandel, Umweltzerstörung und Ungleichheit bis zum Jahr 2030 gemeinschaftlich zu bewältigen.
Die SDG fußen auf den Millenium Development Goals (MDG), welche in den Jahren 2000-2015 auf internationaler Ebene verfolgt wurden, entwickeln diese aber an entscheidenden Stellen weiter.
Das bedeutet … MDG
Die 8 Millenium Development Goals (MDG; deutsch: Millenumsentwicklungsziele) wurden im Rahmen des Milleniumgipfels am 6.-8. September 2000, der bis dahin größten Zusammenkunft hochrangiger Staats- und Regierungsvertreter:innen, von 189 Staaten verabschiedet und zielten darauf ab, die Lebensbedingungen der Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern bis zum Jahr 2015 substantiell zu verbessern.

Zwar konnten auf Basis der MDG bedeutende Fortschritte in einigen Bereichen erzielt werden, jedoch waren diese Erfolge regional sehr ungleichmäßig verteilt. So konnte bspw. der Anteil der Menschen, die in extremer Armut (d.h. von weniger als 1,25 USD am Tag) leben, von 36% im Jahr 1990 auf 10% im Jahr 2000 reduziert werden – allerdings waren diese Fortschritte besonders stark in Asien, insbesondere China und Indien, während Sub-Sahara-Afrika weniger erfolgreich war. Auch besonders arme oder marginalisierte Gruppen, wie Frauen im ländlichen Raum, profitierten weniger von den MGD-motivierten Maßnahmen. Eine übersichtliche Darstellung der Ergebnisse des MDG-Prozesses findet sich hier.
Im Vergleich zu den MDG konzentrieren sich die SDG nicht mehr nur auf die vermeintlichen Entwicklungsdefizite der sogenannten Entwicklungsländer, sondern orientieren sich an den drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (Ökonomie/Wirtschaft – Ökologie/Umwelt – Soziales/Gesellschaft) und adressieren vor diesem Hintergrund alle Länder gleichermaßen, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand. Die SDG verfügen somit über eine deutlich breitere, universelle Zielstellung als die MDG. Zudem sind sie darum bemüht, Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Nachhaltigkeitsaspekten ebenso wie systemische Ursachen von Ungleichheiten stärker zu berücksichtigen.

Auch die Entstehung der Ziele unterscheidet sich grundlegend: Während die MDG von Expert:innen und Politiker:innen auf Basis von internationalen Konferenzen und Vereinbarungen der 1990er Jahre erarbeitet worden waren, entstanden die SDG in einem mehrjährigen, inklusiven Prozess, der sowohl Expert:innenwissen und politische Verhandlungen als auch die Perspektiven von Zivilgesellschaft und Wissenschaft berücksichtigte. Wurden die MDG also weitestgehend ohne Beteiligung der betroffenen Gemeinschaften formuliert, was teilweise zu einer mangelnden Lokalisierung und Zielerreichung führte, macht der breite globale Konsens, der den SDG zugrunde liegt, diese zu einem praktikablen Rahmen für nachhaltige Entwicklung des Zusammenlebens auf unserem Planeten.
Dementsprechend dienen die SDG der (außer)europäischen wie auch deutschen Gesetzgebung zunehmend als Orientierung und Richtschnur, wie etwa der EU Green Deal und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie zeigen.
Die SDG stellen somit zweifellos einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft dar, jedoch sind auch sie nicht frei von Kritik: Zwar werden die 17 Ziele mit ihren 169 Unterzielen der Komplexität nachhaltiger Entwicklung relativ gut gerecht, da sie alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit beachten, jedoch fehlt es ihnen dadurch auch an einer klaren Priorisierung, was schnell zu Überforderung führen und die Umsetzung behindern kann. Hinzu kommt, dass die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen oftmals zu Zielkonflikten führen können, die nicht näher thematisiert werden. Auch die Auswahl der Indikatoren, die zur Bewertung der Zielerreichung herangezogen werden, ist oftmals fraglich – sowohl in Hinblick darauf, ob sie tatsächlich geeignet sind, um substantielle Fortschritte in den einzelnen Bereichen nachzuzeichnen, als auch in Hinblick darauf, ob es allen Ländern gleichermaßen möglich ist, diese zuverlässig zu erheben, wodurch zusätzlicher Druck auf die schwächsten Staaten aufgebaut und sogar fragwürdige Entwicklungsanreize gesetzt werden können. Trotz des Versuchs, der Verschiedenheit der Entwicklungswege gerecht zu werden, stellen die SDG letztlich einen „One Size Fits All“-Ansatz dar, der die spezifischen Bedürfnisse einzelner Länder oder Regionen nicht immer ausreichend berücksichtigt. Auch historische Machtstrukturen und gewachsene Ungleichheiten, vor allem zwischen Globalem Norden und Süden, bleiben weitestgehend unreflektiert. In diesem Zusammenhang ist auch zu kritisieren, dass die Finanzierung der SDG-Umsetzung nur unzureichend geklärt ist und gerade multinational agierende Konzerne hierbei bisher nur ausgesprochen bedingt zur Verantwortung gezogen werden.
Weiterführende Informationen
- Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele verständlich erklärt mit Hintergrundinformationen zu den einzelnen SDG sowie deren Umsetzung durch die deutsche Politik
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung mit umfassenden Hintergrundinformationen zu den SDG
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung mit umfassenden Hintergrundinformationen zu den einzelnen SDG
- Engagement Global: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung mit umfassenden Hintergrundinformationen zu den einzelnen SDG
- Statistisches Bundesamt: Indikatoren der UN-Nachhaltigkeitsziele mit Hintergrundinformationen zu den Nationalen Indikatoren, deren aktuellen Berichtsstatus sowie Verweisen auf Statistiken anderer Staaten
- Sustainable Development Report mit Daten, Dashboards und Rankings aller Staaten in Hinblick auf die SDG-Zielerreichung
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