Finanzieren, fördern, vorangehen – Förderbanken können auf unterschiedlichen Wegen einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten:
Als klassische Bank, die durch die Bereitstellung von Krediten Investitionen in nachhaltige Infrastruktur und Technologien ermöglicht; als Landesförderinstitution, die durch die Vergabe von staatlichen Zuschüssen die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der jeweiligen Landespolitik unterstützt; sowie als Organisation, die ihre internen Prozesse ebenfalls so effizient und nachhaltig wie möglich gestalten sollte.
Nachhaltigkeit mit System: Die Nachhaltigkeitsstrategie der SAB
Bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) ist man sich dieser verschiedenen Dimensionen sehr bewusst – sie versteht sich ausdrücklich als „Bank mit Fördertätigkeit, Institution mit Bankbetrieb, Managerin von Nachhaltigkeitsrisiken und gute Arbeitgeberin“1. Ihre Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt dementsprechend einen ganzheitlichen Ansatz, strukturiert in sechs Handlungsfeldern, die sowohl die externe Wirkung als auch das interne Handeln der Bank adressieren:
Wirkung nach Außen (Sustainable Finance)
- Wirkungsstarke Finanzierung und Förderung: Die SAB entwickelt und steuert ihre Angebote so, dass sie aktiv zur nachhaltigen Transformation beitragen – etwa durch gezielte Förderprogramme oder Finanzierungslösungen. Dabei setzt die Bank nicht auf Ausschluss, sondern auf Anreiz: Auch konventionelle Maßnahmen bleiben förderfähig – wer jedoch mehr für Umwelt und Klima tut, bekommt auch mehr Förderung. So gewährt bspw. der SAB-Sachsenkredit „Klimafreundlicher Wohnen“ einen Tilgungszuschuss für energetische Maßnahmen im Rahmen von Sanierungsprojekten.
- Klimaneutralität in der Geschäftstätigkeit: Die SAB arbeitet aktuell intensiv an einem Transitionsplan, der das gesamte Finanzierungsportfolio bis spätestens 2045 auf Klimaneutralität ausrichten soll, sodass keinerlei CO2-Emissionen mehr durch sie finanziert werden.
- Regulatorische Anforderungen: Die SAB integriert wesentliche Klima-, Umwelt- und Sozialrisiken systematisch in die Bewertung von Kreditrisiken und entwickelt bestehende Förderrichtlinien dementsprechend stetig weiter.
Wirkung nach Innen
- Angebote zur Nachhaltigkeit für das Personal: Als Arbeitgeberin setzt die SAB auf eine nachhaltige, zukunftsorientierte Personalentwicklung und vermittelt aktiv die Sinnhaftigkeit ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen.
- Umwelt- und CO2-Emissionsmanagement: Die SAB steuert ihre Energie- und Wasserverbräuche sowie ihr Abfallaufkommen aktiv und strebt an, ihren Bankbetrieb bis spätestens 2030 klimaneutral zu gestalten. Hierfür setzt sie bspw. auf nachhaltige Beschaffung, energieeffiziente Gebäude und eine umweltfreundliche Mobilität der Mitarbeitenden, z.B. durch Zuschüsse zum Deutschlandticket bzw. Dienstrad-Leasing. Wichtig hierbei: Das Verhalten der Belegschaft wird nicht kontrolliert, sondern begleitet. Einmal im Jahr erhebt die Bank anonym das Mobilitätsverhalten – nicht, um Sanktionen zu verhängen, sondern um passgenaue Verbesserungen ihrer Angebote zu ermöglichen.
Übergreifende Wirkung
- Nachhaltigkeits- und Wirkungsmanagement: Alle Nachhaltigkeitsaktivitäten der SAB werden systematisch erfasst, gesteuert und in ihrer Wirkung nach innen wie außen überprüft, um sie stetig zu optimieren.
Als Förderbank des Freistaates hat die SAB den Auftrag, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung in Sachsen zu unterstützen. Mit der Entscheidung, Nachhaltigkeit in der Organisation strategisch zu verankern, nimmt die Förderwirkung einen noch stärkeren Fokus ein:
- Wie wirken die Fördergelder konkret, insb. auf sozialer und ökologischer Ebene?
- Wie wird das gemessen?
- Und wie kann die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft in Sachsen unterstützt werden?
Das bewilligte Fördervolumen der SAB im Auftrag des Freistaat Sachsens betrug 2023 rund 3 Milliarden Euro. Die Fragen, wie viele Quadratmeter sozialen Wohnraums für wie viele Menschen dadurch geschaffen, wie viele Emissionen eingespart und wie viele Kilowattstunden erneuerbarer Energie dadurch ermöglicht wurden, sind also daher keineswegs trivial und können für die beauftragenden Ministerien weitere Informationen zur Förderwirkung bereitstellen.
Strategie trifft Praxis: Transformation durch Beteiligung
Damit Nachhaltigkeit nicht nur strategisch beschlossen, sondern im Arbeitsalltag auch tatsächlich gelebt wird, setzt die SAB auf ein Zusammenspiel aus klarer Steuerung, engagierter Mitarbeit und offener Kommunikation. Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie erfolgt gemeinsam mit dem Management und im aktiven Dialog mit der Belegschaft. Ein zentrales Gremium ist dabei das Nachhaltigkeitskomitee, in dem sich quartalsweise der Vorstand und die Unit- wie auch Stabsclusterleads mit zentrale Nachhaltigkeitsfragen austauschen, sodass Zielkonflikte, Verfahrenshindernisse o.ä. schnell und verbindlich gelöst werden können.
Ein Netz aus freiwilligen ESG-Multiplikator:innen trägt die Strategie zusätzlich in die Teams: Sie geben Impulse, stoßen interne Diskussionen an und übersetzen die strategischen Ziele in den jeweiligen Arbeitskontext – nah dran an den Kolleg:innen, nah dran an der Praxis.
Der kontinuierliche Austausch zwischen strategischer Steuerung und operativem Tagesgeschäft ist entscheidend – denn nur wenn beide Perspektiven zusammenkommen, gelingt echte Veränderung. Die Rückendeckung des Vorstands ist dabei elementar: Dass die Nachhaltigkeitsstrategie integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie ist, schafft Verbindlichkeit und sendet ein klares Signal ins Haus.
Dabei bleibt die SAB realistisch: Nachhaltiger Wandel braucht Zeit – und Geduld. Nicht alle sind sofort begeistert. Aber durch transparente Ziele, ein klares Reporting und konkrete Beteiligungsangebote wird das Thema für die Belegschaft zunehmend greif- und bearbeitbar. So wurde beispielsweise der unternehmensweite Gesundheitstag gezielt mit Nachhaltigkeitsthemen verknüpft – ein niedrigschwelliger, aber wirkungsvoller Impuls.
Jährlich legt die SAB konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen fest, mit klaren Zuständigkeiten im gesamten Haus. Die Fortschritte werden quartalsweise überprüft: Was wurde umgesetzt? Was wurde erreicht? Und wo hakt es vielleicht noch? Diese konsequente Nachsteuerung sichert die Wirksamkeit der Strategie – und zeigt: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Ziel, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der von allen getragen wird.
Von der SAB lernen: Impulse, Netzwerke, Chancen
Für die strategische Verankerung und die operative Umsetzung braucht es keine perfekte Lösung von Anfang an, sondern vor allem den Mut, sich auf den Prozess einzulassen.
Wer diesen Weg gehen will, findet vielerorts Unterstützung. In Sachsen etwa bieten Netzwerke wie LUNAplus aus Leipzig oder der Nachhaltigkeitsstammtisch der Wirtschaftsförderung Dresden wertvolle Impulse und ehrlichen Austausch. Auch die Umwelt- und Klimaallianz Sachsen oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) helfen dabei, Nachhaltigkeit strukturiert und praxisnah anzugehen – sogar kostenfrei.
Mindestens genauso wichtig wie methodisches Rüstzeug ist aber eine offene Haltung: Wer Nachhaltigkeit nicht vorschnell als „Pflichtübung“ oder Einschränkung abtut, sondern bereit ist, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen, entdeckt oft überraschende Chancen.
„Eine Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eigentlich eine kostenlose Unternehmensberatung, sag ich immer.“
Sebastian Kaden
Dabei geht es gar nicht darum, alles sofort perfekt zu machen. Aber darum, sich auf den Weg zu machen – bewusst, reflektiert und mit dem Willen, dazuzulernen.
Dieser Bericht basiert u.a. auf einem Interview mit dem SAB-Nachhaltigkeitsmanager Sebastian Kaden, welches am 05.05.2025 online stattfand.
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