Das bedeutet … Nachhaltigkeit

Zwischen Wollen und Brauchen liegt die Zukunft

Das Video-Skript zum Nachlesen

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Nachhaltigkeit“ hören? Welche Gedanken, welche Gefühle löst es bei Ihnen aus? … Regulierung, Verbote, Verzicht, Belastung, Einschränkung, Bürokratie – in den letzten Jahren ist der Begriff zunehmend negativ konnotiert.

Doch was passiert, wenn wir andere Begriffe für denselben Sachverhalt benutzen? Wie empfinden Sie z.B. das Wort „Zukunftsfähigkeit“? Welche Gefühle löst das Wort „Enkeltauglichkeit“ bei Ihnen aus? Welche Gedanken der Begriff „Zufriedenheit“? Spüren Sie einen Unterschied? Unserer Erfahrung nach erzeugen diese Begriffe deutlich positivere Assoziationen.

Betrachten wir das Wort „Nachhaltigkeit“ in anderen Sprachen, z.B. im Englischen. Hier spricht man von „Sustain-ability“, also der Fähigkeit, sich selbst zu erhalten. Ähnlich verhält es sich im Spanischen oder Norwegischen. Auch im Chinesischen spricht man von der „Fähigkeit zur Fortsetzung“ (可持续性 (kě chíxù xìng)).

Auch die offizielle Definition der UN zu Nachhaltiger Entwicklung ist interessant: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Ich würde diese Definition noch präzisieren: Sie bezieht Menschen weltweit ein, nicht nur in Deutschland oder Europa. Und sie wirft die Frage auf: Was bedeutet es, wenn wir unsere Bedürfnisse tatsächlich leben können? Welche Gefühle verbinden wir damit? Zufriedenheit? Vielleicht sogar Glück?

Für mich ist das die tolle Botschaft: Nachhaltige Entwicklung heißt, glücklich sein zu können. Nicht Verzicht, keine Einschränkungen, keine Papierberge. Nein: Bedürfnisse erfüllen – ohne die Bedürfnisefüllung anderer einzuschränken. Wer könnte da dagegen sein? Die meisten Menschen – und ich glaube auch Sie – wollen ein erfülltes, glückliches Leben führen – und gestehen dies auch ihren Mitmenschen zu.

Doch dann bleibt noch die Frage: Was sind das überhaupt für Bedürfnisse, die es zu befriedigen gilt?

Zunächst gilt es Bedürfnisse von Wünschen abgrenzen: Wünsche sind subjektiv, potenziell unendlich und dienen letztlich der Bedürfnisbefriedigung. Bedürfnisse sind dagegen universell und begrenzt. Laut dem Modell des deutsch-chilenischen Ökonomen Manfred Max-Neef gibt es insgesamt zehn grundlegende menschliche Bedürfnisse, die gleichwertig nebeneinander stehen, die Reihenfolge sagt also nichts über die Wichtigkeit aus:

  • Beteiligung: Mitbestimmung, Verantwortung
  • Lebenserhaltung: Ernährung, Gesundheit, Wohnung
  • Schutz: Sicherheit, Fürsorge, Vorsichtsmaßnahmen
  • Zuwendung: Liebe, Beziehungen, Gemeinschaft
  • Verständnis: Neugier, Experimente, Lernen
  • Muße: Erholung, Spiel, Träumen
  • Kreativität: Selbstausdruck, Innovation
  • Identität: Zugehörigkeit, Selbstkenntnis, Werte
  • Freiheit: Selbstbestimmung, Autonomie, Gleichheit
  • Transzendenz: Spiritualität, Sinn, Frieden mit Sich und Anderen

Wie gesagt: Jedes Bedürfnis ist universell und gleichwertig. Es kann durch verschiedene – materielle wie immaterielle – Strategien erfüllt werden.  Diese Strategien hängen stark von unseren Werten und kulturellen Prägungen ab und  können durchaus auch nicht-zukunftsfähig oder enkelfeindlich sein.

Vielleicht hilft ein alltägliches Beispiel, um den Zusammenhang von Bedürfnissen und Nachhaltigkeit noch besser zu verstehen.  Ob ein neuer Anzug für Kundentermine, die Teamkleidung für den Unternehmensauftritt auf einer Messe oder die richtige Arbeitskleidung für ihre Angestellten – Kleidung ist ein Thema, das in fast jedem Unternehmen eine Rolle spielt. Der Wunsch, etwas Neues, Schickes, Elegantes oder Praktisches zu haben, ist schnell da. Aber welche Bedürfnisse könnten dahinterliegen? Ist es das Bedürfnis nach Zugehörigkeit? Ein schicker Anzug für das Treffen mit den Geschäftspartnern auf Augenhöhe oder personalisierte Arbeitskleidung mit ihrem Firmenlogo? Oder drückt das neue Kleidungsstück ganz genau aus, wie Sie oder ihr Unternehmen sind oder sein wollen – modern, seriös oder traditionsbewusst – und kommt so ihrem Bedürfnis nach Identität nach? Vielleicht wollen Sie als Unternehmer bei der Beschaffung neuer Kleidung aber auch die Sicherheit und Stabilität eines langjährigen und verlässlichen Anbieters, der immer gleichbleibende Qualität liefert, in Anspruch nehmen – ein Ausdruck Ihres Bedürfnisses nach Schutz. All das sind unterschiedliche, aber vollkommen legitime Bedürfnisse. Und je nach Kontext können sie alle mit dem Kauf neuer Kleidung erfüllt werden.

Nachhaltigkeit heißt nun eben nicht, dass Sie komplett darauf verzichten sollen, jemals wieder neue Kleidung zu kaufen. Sie bedeutet, dass Sie sich den zugrunde liegenden Bedürfnissen bewusstwerden und überlegen, wie diese erfüllt werden können, ohne dabei die Bedürfnisbefriedigung anderer einzuschränken. Muss es die billig produzierte Kleidung mit Firmenlogo sein, die in Ländern des Globalen Südens unter prekären und umweltbelastenden Bedingungen entsteht – und damit das Bedürfnis der Menschen dort nach Schutz und Lebenserhaltung gefährdet? Oder stärkt ein gemeinsames Team-Erlebnis das Gefühl von Zugehörigkeit vielleicht sogar stärker, ganz ohne neue Teamkleidung?

Es geht also nicht um Verzicht, sondern um einen Zugewinn an Lebenszufriedenheit. Setzen Sie also bewusst auf Zukunftsfähigkeit und verwandeln Sie Nachhaltigkeit in Ihren größten Wachstumstreiber.

Woran denken Sie nun, wenn Sie das Wort „Nachhaltigkeit“ hören? Welche Gefühle löst es jetzt in Ihnen aus? Teilen Sie Ihre Gedanken gern in den Kommentaren! Und schauen Sie auf unserer Homepage vorbei, um zu erfahren, wie andere Unternehmer:innen den Begriff für sich definieren und nutzbar machen.

Weiterführende Informationen und Materialien

Zum Nachhaltigkeitsbegriff
Zum Bedürfnisbegriff
Zu Nachhaltigem Konsum


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